Beichtstuhl – 21. Jhd. (Prototyp) Pro-Ort für Begegnung  
   
Installation / Aufbau  
Nachdem der Pavillon – zerbrechlich ein Ort für intime Selbsteinschätzung und Wahrnehmung für eine einzelne Person war, setzt dies nun der Beichtstuhl – 21. Jhd. voraus, um mit einer zweiten Person in Kontakt zu kommen. Zwei 1,2 cm starke, überkreuzte und verschlungene Metallträger, haben an ihrem Ende je einen ovalen Sitzplatz. Am Boden sind diese durch einen weiteren oval geschwungenen Metallträger verbunden und stabilisiert. Für den Gesamteindruck eines konzentrierten Platzes ist ein Kreis um den Standplatz des Objektes gelegt. An der hinteren Wand hängt eine große ganz weiße Leinwand. Beigestellt, je nach Raumbedingungen, ist ein Tisch aus Metall mit Blumen. Der Schauplatz ist von oben zentral beleuchtet.

Bedeutung der materiellen Form  

Die horizontale Metallverbindung und Standfläche des Beichtstuhles am Boden deutet darauf hin, dass die beteiligten Personen die selbe Lebensgrundlage und die gleiche sprichwörtliche Standfläche und Erde/Welt als Mensch bewohnen und nutzen.  

Die beiden Metallstreben, welche in den Sitzplätzen enden, wachsen jeweils aus dem Ort des Gegenübers heraus. Dies deutet das unumgängliche, natürliche Miteinander und eine physiologisch gegebene Abhängigkeit an. Das was von dem einen Menschen kommt und geschaffen wird, bietet den Platz oder die Lebensgrundlage des anderen Menschen.
 
Die zu gleichen Teilen verschlungene, bewegliche Verbindung in der Mitte des Stuhles, stellt das harmonische Zentrum einer Waage dar und zeigt als Mitte den Treffpunkt und die Gleichberechtigung der Gedanken an, sowie die Notwendigkeit des Austausches dieser, um das bestmögliche gemeinsame Ergebnis zu erhalten.  

Die weiße Leinwand ersetzt zum einen jede Verkörperung eines Gottesbildes. Andererseits deutet sie auf die Absicht einer Begegnung in der Gegenwart hin, welche sozusagen als unbeschriebenes Blatt, nur neue Möglichkeiten hat!    
                 
Inhaltliches Konzept / Ablauf  
Dieser Ort bedeutet das Ende der Verlagerung von Prioritäten zwischen zwei Menschen in indirektes, entferntes kommunizieren über Mail, SMS und Telefon. Er bedeutet auch das Ende räumlichen undefinierten Seins hin zur klaren Begegnung und das Ende der Abgabe aktuell essentieller Wahrheiten an eine dritte Instanz.
Es bleibt nur anwesend zu sein, die andere Person über die Augen zu kontaktieren, das Wesentliche zu sagen, oder fernzubleiben!
Der Titel der Installation bietet gewollt große philosophische und intellektuelle Reibungsfläche zum herkömmlichen Beichtstuhl. Der Mensch hatte auf allen Teilen der Erde die Religion oder das Spirituelle als "Kontrolleur und Besänftiger" seiner niederen Instinke eingesetzt und so sichergestellt, das die Gemeinschaft gesunde und respektvolle Verhältnisse pflegt. Mehr und mehr sind diese Strukturen zusammengebrochen, oder im Gegenteil selbst zum Konflikt und zur Reibungsfläche geworden. Die Politik als weiterführendes Organ der gesunden Ordnung hat versagt, weil sie direkt an die Machtverhälnisse der Wirtschaft, das Ego und das Geld gekoppelt ist und zudem von der religiösen Sichtweise des Ganzen, dem wirklichem Spirit, entkoppelt ist. Daher muss jeder Mensch selbst für sich und in seinem Lebens und Arbeitsrahmen neue gesunde Gesetzte und Möglichkeiten des Friedens entwickeln. Jeder große Länder und Religionskonflikt beginnt in vielen kleinen explosiven individuellen Momenten ungeklärter Auseinandersetzungen.

Die entscheidenden Merkmale des „Neuen Beichtstuhles“ sind:  
-Örtliche und religiöse Ungebundenheit                                                                                                                                                                    -direkte Kommunikation, unverdeckt, an den eigentlichen Adressaten der Situation                                                                                               -gleichgestellte Kommunikation auf Augenhöhe                                                                                                                                                      -mögliche Kommunikation mit Zeugen oder öffentlich    
Doch für das eigentliche Projekt Beichtstuhl 21.Jhd. und die jetzige Beschreibung ist nicht dieser sichtbare Kontrast zum herkömmlichen Beichtstuhl von erster Relevanz, den jeder Besucher selbst vielschichtig feststellen kann.
Maßgebend ist die Nutzung und das Spüren dieses Ortes in der Gegenwart!  

Der Stuhl ist erst einmal ein Kunstgegenstand der auch hätte abstrakter und mit noch mehr Interpretationsmöglichkeiten dargestellt werden können, aber er soll auch bewusst ein Vorläufer und Prototyp sein, für ein funktionelles Gebrauchsprodukt, das durchaus Eintritt finden kann in das Alltagsleben.  

Der Impuls diesen modernen Beichtstuhl zu installieren, entsprang aus einer fühlbaren persönlichen Notwendigkeit nach einem explizit neuen, natürlichen Kommunikationsort in Form eines speziellen Möbelstücks. Futuristisch gesehen, könnte er als klappbares Modell und mit neuem Namen im privaten Raum der Familie und den Paarbeziehungen zur Verwendung stehen, sowie in Betrieben, sozialen Einrichtungen, Unternehmen... und in Politik und Wirtschaft zum Gebrauchsgegenstand werden!                                                                                             (Ein klappbares Serienmodell ist angedacht.)  
           
Was könnte passieren auf dem Beichtstuhl – 21. Jhd. ( Prototyp)  

1.allein                                                                                                                                                                                                                     -sitze und spüre wenn du gern als Gegenüber hättest. was würdest du sagen oder gern hören  
2.zu zweien                                                                                                                                                                                                             -schaue deinem Gegenüber in die Augen                                                                                                                                                                -mache ein längst überfälliges Zugeständnis                                                                                                                                                           -formuliere eine Bitte - teile eine wichtige Entscheidung mit                                                                                                                                    -drücke eine Entschuldigung aus - gestehe offen einen Fehler ein                                                                                                                           -übergebe ein symbolisches Geschenk                                                                                                                                                                    -teile mit was dich ängstigt, schmerzt oder verunsichert                                                                                                                                         -mache eine mutige Liebeserklärung                                                                                                                                                                        -spreche ernsthaft einen Dank oder eine Würdigung aus                                                                                                                                        -erkläre deine Sehnsucht oder deine Wünsche                                                                                                                                                        -plane mit deinem Partner den nächsten Urlaub                                                                                                                                                       -führe eine Gehaltsverhandlung mit dem „Vor-Gesetzen“    

Der letzte Begriff deutet gewissermaßen als ein Beispiel an, wie subtil die Augenhöhe verlorengehen kann, in für uns gewohnten bisher gelebten sozialen Verhältnissen und welche Ausgangspunkte und begrenzten Möglichkeiten oft von vorn herein ein Gespräch beherrschen können!